Räuchern mit Kräutern ist viel mehr als nur ”böse Geister zu vertreiben”

Räuchern mit Kräutern
Räuchern mit Kräutern

Von Gebeten, magischen Ritualen und der Kunst vom Räuchern mit Kräutern

Das Räuchern hat auf dem Land leider nur noch eine geringe Bedeutung und wenn überhaupt, dann auch nur noch an hohen Festtagen, wie an Heiligdreikönig oder in den vorangehenden Raunächten, die mancherorts deswegen auch Rauchnächte genannt werden.

In vergangenen Zeiten räucherten die Bauern nicht nur an kirchlichen Feiertagen. Räuchern diente dem Schutz vor Geistern und bösen Hexen, vor Krankheiten und den Naturgewalten.

Viele tägliche Verrichtungen wurden durch heilkräftigen Rauch unterstützt und Räucherrituale waren fester Bestandteil des bäuerlichen Jahresrades.

So verspricht beispielsweise auch heute noch ein mit Wacholdernadeln oder getrockneten Wacholderbeeren ausgeräuchertes Haus Schutz vor Krankheiten aller Art.

Wacholder ist eines der ältesten »Rauchhölzer« überhaupt und wird bis in die entlegensten Winkel der Erde zum Schutz vor Keimen und Erregern zum Räuchern verwendet.

Zudem wurde schon im Mittelalter in unseren Breitengraden dem Wacholder, ähnlich dem Weihrauch im Osten, eine hohe spirituelle Kraft zugesprochen.

Räuchern mit Kräutern aus dem Kräuterbuschen

Auch das Verbrennen von Kräutern aus dem Kräuterbuschen, der alljährlich an Mariä Himmelfahrt geweiht wird und dann traditionell im „Herrgottswinkel“ seinen Platz findet, schützt Haus und Hof vor Krankheit und Siechtum.

Grundsätzlich gilt – Räuchern mit Kräutern hat eine reinigende Wirkung, es fördert unter anderem die innere Sammlung, schafft Platz für neue Energie und kann die Abwehrkräfte stärken.

Räuchern mit Kräutern aus dem Kräuterbuschen
Räuchern mit Kräutern aus dem Kräuterbuschen

Den letzten Weg mit Räuchern begleiten

In der »alten Zeit«, als die Menschen noch zu Hause, im Kreis ihrer Familien, sterben durften, war es gang und gäbe, den Verstorbenen mittels Rauch auf seinen letzten Weg zu schicken.

Mit Wacholder, Engelwurz, Fichtenharz, Salbei oder Holunderblüte beispielsweise wurde somit nicht nur der Seele auf die andere Seite  verholfen, das Sterbezimmer erhielt auch gleichzeitig eine keimtötende Rauchdusche.

Rauch hat eine stabilisierende Wirkung auf Körper und Geist. Er bringt die beiden mit der Seele in Einklang und wirkt somit heilend auf alle Aspekte des menschlichen Seins. Wir sprechen hier natürlich nicht von schädlichem Zigarettendunst.

Zudem bewirkt Rauch eine starke energetische Reinigung und ist dadurch ein erfolgreicher Helfer, um Spannungen und schlechte Energien aus Räumen zu vertreiben und diese in positive Schwingungen umzuwandeln.

Räuchern mit Kräutern im Jahresrad
Räuchern mit Kräutern

Kräuter als Rauchmischung verwenden

Übrigens, um noch einmal auf den bereits erwähnten Tabakqualm zurückzukommen, Rauchen, damit meine ich das Inhalieren von Rauch, ist im Grunde eine konzentrierte Form des Räucherns.

Das wussten auch die Indianer, die schon vor Jahrhunderten Kräuter, die man rauchen konnte, als Heilmittel einsetzten. Allerdings wurde und wird dabei auf Heilkräuter und nicht auf mit allen möglichen Giften und Suchtmitteln versetztem Tabak zurückgegriffen.

Dieses Inhalieren von heilsamen Dämpfen und Rauch ist uns natürlich auch nicht ganz fremd, man denke nur an das gute alte Dampfbad mit Kamillenblüten.

Räuchern mit Kräutern
Heilkräuter können auch geraucht werden

Räuchern mit Kräutern ist altes Brauchtum und mehr als „Böse Geister“ vertreiben

In der Kirche hatte das Räuchern auch eine wichtige Bedeutung: Gerade bei den Katholiken wird kräftig der Weihrauchkessel geschwenkt.

Auch viele alte Bäuerinnen wissen zudem noch um die heilsame Kraft des wohlriechenden Weihrauchs und heizen ihre Räucherpfannen bei Kopfschmerz, Niedergeschlagenheit und Fieber ein.

Weihrauch lindert viele Krankheiten der Atemwege bis hin zu Asthma, hilft bei grippalen Infekten, bei Entzündungen im Darmbereich und gegen Angst und Stress.

Doch damit sind wir noch lange nicht am Ende angelangt. Das kostbare Harz aus dem Orient lindert angeblich auch

  • Schuppenflechte
  • Zahnschmerzen
  • Rheuma und Arthritis.
Räuchern mit Kräutern
Räuchern mit Kräutern und Weihrauch

Die Heilkraft unserer Heilpflanzen nutzen

Da man zum Räuchern traditionell grundsätzlich Heilpflanzen verwendet, ist es kein Wunder, dass Rauch, neben spirituellen und energetischen Gesichtspunkten, auch zu Heilzwecken genutzt wird.

So vertreibt der Salbei nicht nur böse Geister und klärt die Luft nach einem Streit. Sein wohlriechender Rauch ist ein wirksames Mittel bei Fieber, vielen Infektionskrankheiten und Verspannungen aller Art.

Damit du einen Überblick bekommst, welches Kraut und und welches Harz bei Krankheit hilft, findest du im Folgenden einen kleinen alphabetischen Überblick.

Wobei ausschließlich Pflanzen unserer Heimat aus einem traditionellen Bauerngarten in die Liste aufgenommen wurden und ich mich in diesem Beitrag im Großen und Ganzen auf die körperliche Ebene beschränke.

Arnika

Zum Räuchern werden die getrockneten Blüten der Pflanze verwendet. Arnika hilft bei Durchblutungsstörungen, Entzündungen aller Art, gegen Schwäche bei längerer Krankheit, bei Müdigkeit, Antriebsschwäche und Verspannungen.

Räuchern mit Kräutern
Heilpflanzen Arnika

Beifuß

Das getrocknete Kraut des Beifuß, kurz vor der Blüte geerntet, wird vor allem bei körperlicher Schwäche verräuchert. Es hilft bei verspanntem Unterleib während der Menstruation und ist bekannt für seine wärmende Wirkung im Zellgewebe.

Räuchern mit Kräutern
Räuchern mit Beifuß

Eisenkraut

Verwendet wird das getrocknete Eisenkraut, das während der Blüte geerntet wird bei Kopfschmerzen, Magenverstimmungen und bei Müdigkeit.

Räuchern mit Kräutern
Räuchern mit Eisenkraut

Fichte

Bei der Fichte verräuchert man ausschließlich das getrocknete Harz. An den Brauch, den Baum erst um sein altes Harz zu bitten, bevor man es abnimmt, ohne die Rinde zu verletzen, halten sich heute noch alte Holzfäller und Kräuterfrauen. Der Rauch hilft bei Antriebsschwäche, Lustlosigkeit, bei körperlicher Schwäche, wirkt positiv auf die Atemwege und bringt alte körperliche, aber auch seelische Wunden zum Heilen.

Räuchern mit Kräutern
Räuchern mit der Fichte

Huflattich

Die getrockneten Blätter des Huflattichs, am besten im Mai geerntet, werden zum Räuchern vor allem bei Husten und Heiserkeit verwendet.

Räuchern mit Kräutern
Räuchern mit Huflattich

Holunder

Zum Räuchern verwendet man meist die getrockneten Blüten des Holunders. Sein Rauch hilft Gebärenden, beschleunigt grundsätzlich die Heilung und wurde früher oft in Krankenzimmern verräuchert.

Heilpflanzen und Heilkräuter
Heilpflanzen Holunder

Johanniskraut

Bei diesem Tausendsassa unter den Heilpflanzen verwendet man zum Räuchern die getrockneten Blüten, die grundsätzlich an sonnigen Tagen geerntet werden sollten. Der Rauch des Johanniskraut hilft bei innerer Zerrissenheit, Unruhe, Angst, Liebeskummer, depressiven Verstimmungen und Menstruationsbeschwerden. Noch heute wird Johanniskraut, oft zusammen mit Eisenkraut und Königskerze aus dem Kräuterbuschen bei heraufziehendem Unwetter verräuchert.

Räuchern mit Kräutern
Räuchern mit Johanniskraut

Königskerze

Die Königskerze bildet traditionell die stolze Mitte des Kräuterbuschen, der zu Mariä Himmelfahrt geweiht wird. Eine alte Überlieferung erzählt, dass in der Königskerze ein guter, freundlicher Geist wohnt. Man sagt, dass in manchen Mondnächten kleine Elfen um diese majestätische Pflanze herumtanzen und dabei mit kleinen Stöckchen leicht auf sie einschlagen. Die Königskerze muss darauf jeden Tag aufs Neue ihre Blüten erneuern. Verräuchert werden sowohl die getrockneten Blüten als auch die Samen der Königskerze. Beide sollten an sonnigen Vormittagen geerntet werden. Der Rauch sorgt in Krankenzimmern für eine reine, klare und harmonisierende Atmosphäre.

Räuchern mit Kräutern
Räuchern mit Königskerze

Kamille

Verräuchert werden bei der Kamille die getrockneten Blüten, die bevorzugt an warmen, sonnigen Tagen geerntet werden sollten. Der wohlriechende Rauch hilft bei allgemeinem Unwohlsein, bei Entzündungen aller Art, Verspannungen und bei Magen- und Darmproblemen.

Räuchern mit Kräutern
Räuchern mit Kamille

Lavendel

Beim hübschen, wohlduftenden Lavendel werden die getrockneten Blüten und Blätter verräuchert, die man am besten an sonnigen Vormittagen erntet. Er hilft bei Depressionen, Appetitlosigkeit, während der Menstruation und bei Reizmagen. Lavendelrauch wirkt desinfizierend und klärend und wird oft beim Ausräuchern von Krankenzimmern eingesetzt.

Räuchern mit Kräutern
Räuchern mit Lavendel

Linde

Ausschließlich die getrockneten Blüten der Linde werden zum Räuchern verwendet, um bei Infektionen, Husten und Entzündungen aller Art den Heilungsprozess zu unterstützen.

Räuchern mit Kräutern
Räuchern mit Linde

Melisse

Die Melisse wird getrocknet, um ihre Blätter anschließend zu verräuchern. Als sehr wirksam hat sich der Rauch der Melisse bei Schmerzen aller Art, bei allgemeiner Unruhe, bei Schwindel und bei Kreislaufbeschwerden bewährt.

Räuchern mit Kräutern
Räuchern mit Melisse

Minze

Die getrockneten, verräucherten Blätter und Stiele der Minze oder Pfefferminze helfen gegen Erkältung, Schmerzen, Unruhe und Unausgeglichenheit. Der Rauch der Minze hat eine stark reinigende Wirkung und bringt Schwung in den Alltag.

Räuchern mit Kräutern
Räuchern mit Minze

Rosmarin

Verräuchert werden die getrockneten Blätter des Rosmarins. Der Rauch von Rosmarin öffnet die Herzen von Verliebten, hilft Trauernden über ihren Verlust hinweg und macht sich stark bei Depressionen.

Räuchern mit Kräutern
Räuchern mit Rosmarin

Salbei

Zum Verräuchern von Salbei erntet und trocknet man die Blätter vor der Blüte. Rauch von Salbei wirkt klärend und reinigend in Krankenzimmern, zudem wirkt er heilend bei Erkältungen und fördert die Konzentration.

Räuchern mit Kräutern
Räuchern mit Salbei

Schafgarbe

Verräuchert werden die getrockneten Blüten. Rauch von Schafgarbe beruhigt angespannte Nerven.

Räuchern mit Kräutern
Räuchern mit Schafgarbe

Tanne

Das getrocknete Harz der Tanne wirkt in verräucherter Form heilsam auf die Atemwege, entzündungshemmend bei Rheuma, bewirkt eine schnellere Wundheilung und besänftigt aufgebrachte Nerven.

Räuchern mit Kräutern
Räuchern mit der Tanne

Thymian

Der Rauch des würzigen Thymians – verräuchert wird das getrocknete Kraut, das vor der Blüte geerntet wird – hilft bei Angstzuständen und Atemwegserkrankungen wie Asthma, Bronchitis oder Husten. Zudem entkrampft ein Räucherritual mit Thymian wunderbar verspannte Körperteile.

Räuchern mit Kräutern
Räuchern mit Thymian

Wacholder

Grundsätzlich verwendet man zum Räuchern die getrockneten Beeren. Wacholder steht unter Naturschutz. In früheren Zeiten wurden zum Räuchern neben den Triebspitzen auch das Harz und das Holz verwendet. Auf der körperlichen Ebene hilft Wacholderrauch bei Magenbeschwerden und diversen Nierenleiden. Daneben klärt Wacholder die Aura von Lebewesen und wirkt desinfizierend und reinigend in Räumen.

Räuchern mit Kräutern
Räuchern mit Wacholder

Buchtipp zum Thema Räuchern mit Kräutern

Räuchern mit heimischen Kräutern: Anwendung, Wirkung und Rituale im Jahreskreis
von Marlis Bader

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BITTE BEACHTE:
Meine Artikel zum Thema Kräuterkunde sollen nur der Einführung zum Thema dienen und dazu, sich erste Informationen zu besorgen.
Meine Informationen ersetzen nicht den Besuch bei einem Arzt oder Apotheker. Wenn Du Beschwerden oder Probleme hast, dann wende Dich bitte an einen Arzt.
Bitte beachte, dass ich Dir keinen medizinischen Rat und keine medizinische Auskunft geben kann und darf. Wende Dich auch in diesem Fall an einen Arzt oder Apotheker.

5 Kommentare

  1. Liebe Anna Maria!
    Nun habe ich über Instagram auch deinen Blog gefunden. Ein toller Beitrag über’s Räuchern! Ich werde mich jetzt mal langsam durch deine älteren Beiträge schmökern.
    Alles Liebe Karen

  2. Cooler Beitrag über das Räuchern. Ich habe mich vorher noch nicht so viel mit diesem Thema beschäftigt, du hast aber einige interessante Aspekte beschrieben. Sehr informativ. Vielen Dank 🙂

    Alles Gute Basti von Naturgartenideen

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